Depression

Depression

Depression (lat. Bedrückung) ist eine schwere, in unserer modernen westlichen Zivilisation zunehmende seelische Erkrankung. Der depressive Mensch leidet unter Antriebslosigkeit, Entscheidungsschwäche, Unruhe, Schlafstörungen, Verlust an Lebensfreude und Lebenslust.

Zwischen den Anforderungen des Lebens, dem Müssen und Sollen einerseits und dem Nicht-mehr-können, der totalen Erschöpfung andererseits entsteht eine unerträgliche Spannung. Unter den Zwängen und dem Pflichtdruck des Lebens geraten eigene Wünsche und Bedürfnisse unter die Räder. Trotz größter eigener Anstrengungen scheint sich das Leben nicht mehr zu lohnen. Es geht nicht mehr weiter. Der Zustand wird als ausweglos erlebt. Die Zuversicht, sein Lebensglück noch zu erreichen, geht dem depressiven Menschen verloren. Meist im Zusammenhang mit besonderen Lebensstufen und belastenden Ereignissen (Krankheiten, Trennungen, beruflichen Misserfolgen) entwickelt sich dann das Bild der depressiven Erkrankung/der Depression.

Andere Menschen, selbst die Angehörigen, haben oftmals kein wirkliches Verständnis für den furchtbaren seelischen Zustand, was zu einer weiteren inneren Vereinsamung des Depressiven führt.

Die Therapie der Depression erfolgt in meiner Praxis multidimensional. Hierzu gehört auch der Einsatz Naturheilkundlicher, Homöopathischer Medikamente und moderner Antidepressiva.

Informationelles

Hier können Sie von mir selbst Geschriebenes lesen. Zum eigenen Wiederfinden und besseren Verstehen.

Depression

Ist so unglaublich schwer auszuhalten. Nur Unruhe, nur Angst, nur Nicht-Können. Nicht Liegen, nicht Aufsein, keine Entspannung, niemals Leichtigkeit: „Ich halte das nicht mehr aus!“ Schreie nach Hilfe, Hilfe! Nichts beruhigt wirklich, nichts lässt mich wirklich wieder ganz lebendig fühlen, immer innerer Druck, üble Gedanken, ohne Ausweg. „Ich will das nicht mehr!“

Tägliche Folter, aber die Folter-Instrumente sind für die Außenstehenden kaum sichtbar. Sie erleben mich als Einen, der nicht kann, der aber eigentlich könnte, wenn er doch nur wollte. Es ist für den Anderen schwer nachvollziehbar, dass ich nicht wollen kann.

Wenn das ICH erschöpft ist

Verstand und Wille – Ich bestimme – sind unser Stolz und unsere Angst. Bei der Alzheimer-Erkrankung schwindet der Verstand. Entsetzlich! Beim Depressiven ist das Ich des Menschen erschöpft. Zu viele innere Kräfte zerren und drohen: „Ich träumte, dass ich unter Tiermenschen bin, dunkel, unheimlich.“ Oder: „Ich bin in einem dunklen feuchten Betonkeller, alles unaufgeräumt, dreckig, nirgendwo ein Ausgang.“ So stellt sich in den nächtlichen Träumen der Innenzustand des depressiven Menschen dar.

Dieser Mensch braucht Hilfe! Professionelle Hilfe, denn die üblichen Ratschläge nützen gar nichts. Nichts wird mehr entschieden oder gemacht. Wie ein unsichtbarer Nebel verbreitet der Depressive Aggression um sich herum, die alle nahen Menschen ansteckt. Auch sie werden in diese nicht erträgliche übelste Machtlosigkeit gezogen: Handeln müssen und es absolut nicht können! Eingeklemmt sein zwischen Wut, Schuld und Angst.

Aushalten bis zur Schmerzgrenze

Depressiv sein heißt zunächst: Aushalten müssen, Aushalten bis zur äußersten Schmerzgrenze. Aushalten muss der Depressive und Aushalten müssen die Anderen, bis Genesung erreicht ist. Wann, ist nicht sicher vorhersehbar. Ein schrecklicher Zustand aus Leid und Ungewissheit. Ein übler Prozess, ein unglaublich anstrengender Weg, für den wir Menschen gute und starke Begleitung brauchen. Endlich dann irgendwann das Licht, die Erlösung! Denn so ist es zum Glück auch – fast jede Depression geht vorbei. Eine Frage der Zeit und der guten, erfahrenen, starken und festen Hilfe.

Resonanz

Wer kaufte einen Gitarrensteg und Saiten ohne einen Resonanzkörper oder einen elektrischen Verstärker? Auch brilliantestes Spiel wird erst zu Etwas, wenn die Schwingungen der Saiten laut werden und erklingen.

So wollen es auch unsere Vorstellungen und Gedanken. Wie die Nieren den Urin bilden, so filtert unser Gehirn Bilder, Fragen, Worte aus. Die wollen raus und brauchen den Anderen als Resonanzkörper: „Ich höre Dir gerne zu, es ist schön mit Dir zusammen zu sein.“ Für die wundervollen „verrückten“, poetischen, und humorvollen kleinen Geschichten und Fragen der Kinder gilt dies allzumal. Lassen wir ihre Stimmen, seien sie auch noch so klein, in uns erklingen und es wird lebendig und vergnügt und in unserer Resonanz weitet sich die Seele des Kindes und sein Geist wächst. Uns Erwachsenen geht es da kein bisschen anders: Wenn ich jemandem meine Gedanken, Ideen, Überlegungen, spontanen Einfälle berichte, so wünsche ich mir vom Anderen ein Einlassen, ein Mitschwingen. Beachten, Mitdenken, Zuhören, Fragen, Mitmachen – das ist gute Resonanz.

Will ich also in Familie oder Beruf gute Stimmung, angenehmes Arbeitsklima, so werde ich den Anderen gute Resonanz geben. Von den Muffeln, den Grantlern, den schlecht Gestimmten lasse ich mich nicht irritieren! Sie brauchen nur ein bisschen länger, bis ihre Saiten gestimmt sind und sie den richtigen Ton treffen. Sie spielen verquer und ich finde die richtige Antwort. Humor kann nicht schaden! Gute Resonanz verhindert Depression!

Dagegen: Mangel an positiver Verstärkung, mangelnde soziale Zuwendung, aversive Erfahrungen, gar Erleben von Verachtung – vielleicht schon in der Kindheit eingesammelt– sind der Beginn jeder seelischen Vergiftung, die letztlich in der Depression endet.

Wenn meine Seele nicht erklingen darf, so werde ich depressiv.

„Ich kann machen was ich will, es hat sowieso keinen Zweck.“ So reden Menschen, die im Leben zu wenig gute Resonanz erlebten. „Deine Seelen-Melodie will ich hören, auch wenn sie noch so sonderbar und einmalig und „verrückt“ sein sollte. So spricht der, der weiß und groß ist. Wie lautet also das Fazit: Gebt den Anderen Resonanz, auch wenn es am Anfang schwer erträglicher Lärm ist und ganz besonders: Hört die ganz kleinen, leisen Stimmen. Sie sind der Wahrheit nahe! Ihr werdet reich entschädigt.

Wissenschaftliches

Hier finden Sie den Abdruck fremder Schriften oder von mir bearbeitete wissenschaftliche Veröffentlichungen. Sie sollen Ihnen zur diagnostischen und therapeutischen Orientierung dienen.

Depression - woher kommt sie?

Die Depression (deutsch: Bedrückung) ist das letztlich leidvolle Ergebnis einer gewaltigen Lebensleistung. Der depressionskranke Mensch hat sowohl entsprechend den Loyalitäten seiner Vorfahren gelebt, hat versucht deren ihm hinterlassene Lebensbewältigungsdefizite zu kompensieren, als auch bestmöglich seinen Selbstentwicklungswünschen (Selbstentwicklungsimpulsen) zu folgen. Hierbei hat er oft eigene Wünsche für den Erhalt, die Wiedergutmachung, die Heilung der Familienordnung, der Familientradition, der Verluste, Entwicklungseinschränkungen und Beschränkungen in der Familie und den daraus resultierenden Demütigungen, Herabwertungen und Abweisungen geopfert. Das Ergebnis eines solchen, oft bis zum Märtyrertum gekennzeichneten Lebens, ist in aller Regel die Entlastung- und Entwicklungsförderung für andere Menschen. Seien es nun Menschen der Herkunftsfamilie oder Kinder oder auch Menschen, die zum Einflussbereich des Depressiven gehören. Irgendwann, meist im Zusammenhang einer Kombination von biologischen Lebensstufen und lebenszufälligen krisenhaften Einwirkungen, die nunmehr eine Neuorientierung unabweisbar machen, ist dieses „Sowohl-als-Auch“ nicht mehr aufrecht zu erhalten.

Beispiele für solche Lebenseinwirkungen

sind berufliche Einbrüche, Beziehungskonflikte, Verluste von Angehörigen, Verlassenwerden von lebensbestimmenden Personen, der Ruhestand. In jedem Fall muss das Sowohl-als-auch-Prinzip durch ein entschiedenes Entweder-Oder und hieraus resultierend das Finden eines Neuen, „dritten Weges“ ersetzt werden. Neuorientierung, Aufbruch einerseits und Abschiednehmen andererseits, sind zwei Seiten derselben Medaille, die beide dem innerlich durch Lebenslast überforderten und daraus resultierend entscheidungsschwachen depressiven Menschen schwer fallen. Dies deshalb, weil er diese Fähigkeit in seinem Leben selbst hat wenig erfahren, einüben und lernen können. Das Leben des depressiven Menschen war in der Regel geprägt von unausweichlichen Notwendigkeiten im Beziehungsbereich, im Leistungsbereich, die bewältigt werden mussten. Müssen, bis zum Zwang gehendes Folgen vorbestimmter, fremdbestimmter Wege bestimmten das Leben. Nicht wollen, mögen oder wünschen.

Bedrückung, Schwere, Angst, Unruhe, Lähmung einerseits, ein unerträglicher Zustand gleichzeitiger fast vollständiger Handlungsunfähigkeit und schlimmstem inneren Aufruhr andererseits kennzeichnen den Innenzustand des depressiven Menschen. Wie soll ich das aushalten, ich kann nicht mehr und mag nicht mehr. Ich bin nicht fähig irgendwelche, auch die kleinsten Entscheidungen noch zu treffen, aber ich muss etwas tun und ich kann nicht. Wodurch bin ich in diesen schlimmen Zustand hineingeraten, hat sich etwas verändert, habe ich etwas verloren, vielleicht eine Hoffnung, einen Sinn, der mich bisher Durchhalten, das Leben aushalten ließ? Habe ich die Zuversicht verloren, für alle meine großen Anstrengungen in diesem Leben noch die mir letztlich erwünschte Gratifikation zu bekommen, das zu erreichen, was ich mir wünsche? Was wünsche ich mir denn eigentlich? Wie war mein Leben? Habe ich wirklich ausreichend gekonnt und gedurft, wie ich es im Innersten wollte? Wie sehr musste ich den Forderungen, Wünschen anderer folgen, wie viel Spannung, Schrecken, Bedrückung, Angst musste ich schon als Kind und Jugendlicher ertragen und auch auf irgendeine Weise meistern und ausgleichen? Wann in meinem Leben habe ich mich wirklich frei, leicht und gut gefühlt? Durfte und darf ich belastend, anklagend, vorwerfend, kritisierend sein? Darf und durfte ich Ärger, Wut, Zorn, Verachtung und Hass in meinem Leben herauslassen, äußern? Oder musste und muss ich Angst haben, verlassen zu werden, abgelehnt zu sein, zurückgewiesen zu sein, anderen eine Last sein, wenn ich selbst schwer erträglich und traurig war und bin?“

„Irgendwie habe ich es immer hinbekommen, aber jetzt kann ich nicht mehr, ich halte es nicht mehr aus!“

Es gibt aus diesem Zustand einen Weg heraus.

Die moderne Psychotherapie hat Konzepte, mit denen es gelingen kann, eine Neuorientierung zu finden. Mit sehr geringen Ausnahmen hat jede Depression, ist sie auch noch so tief, ihr Ende. Manchmal mag es viele Monate dauern und doch, am Ende kommen sie durch. Schwere, Leere, Unruhe, Antriebshemmung weichen. Allmählich, manchmal plötzlich, unerwartet. Die Begegnung mit einem psychotherapeutisch tätigen Menschen, der sich in diesen Zuständen durch Ausbildung und Erfahrung auskennt, hilft Ihnen, den schrecklichen Zustand der Depression auszuhalten und bewirkt, dass Sie einen Weg zu Neubeginn, Lebensfreude und Tatkraft wieder finden. Zusätzlich hält die moderne Medizin hervorragende Medikamente bereit. Recht genaue Kenntnisse über das Funktionieren der Informationsübertragung in unserem Gehirn haben dazu beigetragen, dass mittlerweile gut verträgliche nebenwirkungsarme Wirkstoffe entwickelt wurden. Die helfen, dass es Ihnen meist schon nach kurzer Zeit deutlich besser geht. Wie ein Regenschirm in einem starken Regenguss halten sie das Schlimmste von Ihnen fern und helfen mit, wieder „auf die Sonnenseite“ zu kommen. Bitte bedenken Sie auch, dass Menschen sich schon immer Heilstoffe gesucht haben. Etwa den Saft einer Pflanze, die Blätter eines heilenden Baumes, um sich gegen schlimme Zustände von Angst, Schmerz und Depression zu helfen. Die moderne Wissenschaft hat diese Kenntnisse zu großer Vervollkommnung gebracht. Der Depressive ist wie ein Autofahrer, der in einer fremden Stadt die Orientierung verloren hat. Er weiß nicht: „Wohin soll ich fahren.“ Mitten auf einer Kreuzung bleibt er stehen. Der Verkehr staut sich. Autos hupen, Erregung, Menschen steigen aus, Klopfen an die Scheibe, sind wütend und fordernd. Der Fahrer ist hilflos, größte Unruhe und gleichzeitige Unfähigkeit zur Entscheidung sind sein Zustand.
Es ist gut, wenn in solchen Situationen jemand zu uns kommt, uns hilft, erst einmal zur Seite zu fahren, jemanden, der in dieser Situation bei uns ist und mit uns überlegt, wie es weitergehen kann, mit dem zusammen, die Situation auszuhalten ist und wir den richtigen Weg finden können.

Die Depression (Bedrückung) ist die Folge eines unbewussten Geschehens. Neben familiär-genetischen Dispositionen (besonderen Anlagen) und aktuellen Lebenseinwirkungen sind in besonderer Weise frühkindliche, kindliche und der Jugendzeit zugehörige unverarbeitete und meist vergessene Einwirkungen auf die Selbstwerdung eines Menschen die ursächlichen Quellen für die depressive Krisenverarbeitung. Wo andere Menschen im Zustand von Zuversicht und Entschiedenheit bleiben, reagiert der zur Depression neigende Mensch – für Außenstehende zunächst völlig unverständlich – mit seinem schweren leidvollen Zustand, der sich sowohl in Veränderungen des Gemütes, als auch körperlichen Symptomen ausdrückt. Oftmals ist gerade die körperliche Symptomatik von hoher symbolischer Ausdruckskraft. So wie Kinder in einer Familie durch ihr Verhalten den Zustand der Erwachsenen ausdrücken, so wie Mitarbeiter in einer Fabrik durch ihre Leistungsfähigkeit, die Kompetenz und Führungsfähigkeit der Chefetage ausdrücken, so drücken unsere Organe den Zustand unserer Seele aus.

Was ist in Kindheit und Jugend des depressiven Menschen geschehen, dass er später im Leben in diesen schlimmen Zustand kommt? Im Grundsatz immer Ähnliches: Dem naturgemäßen Selbstentwicklungsstreben, also der jedem Menschen innewohnenden Lebensnotwendigkeit, sich gemäß dem in ihm angelegten Wünschen (Impulsen und Impulsmustern) zu entwickeln, werden unüberwindbare Widerstände entgegengesetzt, die ein Verharren, eine Entwicklungsbehinderung, ein Ausweichen notwendig machen. Entwicklungsbehinderungen mobilisieren ein psychologisches Reflexprogramm, das nicht nur bei Menschen, sondern auch bei höher entwickelten Tieren in Strukturen des Althirns angelegt ist. Entwicklungsbehinderung bedeutet Gefahr. Gefahr bedeutet Angreifen oder Fliehen. Der Mensch – in jedem Alter – wird im Rahmen der biologischen Überlebensstrategie in einen „Kampfzustand“ versetzt. Die zur Depression führende kindliche oder auch jugendliche Position ist nun so, dass der betroffene Mensch nicht kämpfen kann. Er kann weder angreifen noch fliehen. Denn andere Menschen (Eltern, Bezugspersonen) sind durch ihr Verhalten zwar die, die seine Behinderung hervorrufen, gleichzeitig ist das betroffene Kind von ihnen für die eigene Sicherheit, die Versorgung, die Existenzerhaltung unabdingbar abhängig. Die emotional der Angriffsposition zugehörigen Affekte wie Wut, Zorn, Hass, Ärger und die zugehörige Handlung der Zerstörung können genauso wenig gelebt werden, wie das Ausdrücken von Angst, Schrecken und Furcht und die zugehörige Handlung des Weglaufens. Es entsteht im Innern des betroffenen Menschen ein Zustand höchster Spannung, quasi zwischen dem psychologischen Althirnreflex „Angreifen oder Fliehen“ und andererseits dem höher gelegenen, der Erkenntnis zugänglichen Versorgungs- und Sicherheitsprogramm.

Wie nun wird dieser unerträgliche Grundkonflikt des depressiven Menschen gelöst? In der Kindheit werden die aus dem Kampfprogramm resultierenden Zerstörungsimpulse und die zugehörigen Emotionen von Zorn, Wut, Ärger, Hass zunächst unbewusst gemacht. Sie werden gleichsam eingesperrt und hinter dicken Mauern verschlossen. Die Notwendigkeit, gesichert und versorgt zu sein hat für das Überleben in diesem Moment den höheren Stellenwert als die Selbstentwicklung. Das Zerstörungsprogramm und das ihm zugehörige Vergeltungsprogramm werden gleichsam aufgespart. Vor den Mauern stehen Wächter, die verhindern, dass das wilde Tier hinter der Tür ausbrechen kann. Die Wächter heißen Schuld, Scham, Angst und Ekel. Fast immer schlägt sich der depressive Mensch in besonderer Weise mit diesen Gefühlen herum. Bezeichnend ist, dass diese vier Schutzgefühle Scham, Schuld, Angst und Ekel beim depressiven Menschen ihre ursprüngliche Funktion eingebüsst haben. Dies ist am besten an der Schuld nachvollziehbar (wir sprechen im Übrigen auch bei entsprechender Ausformung von einer Schulddepression). Schuld im definitiven Sinne setzt voraus, dass ein Mensch willentlich, bewusst, vorsätzlich einen anderen Menschen für seinen persönlichen, meist weltlichen, Vorteil missbraucht, ausnutzt, betrügt, hintergeht oder gar umbringt. Das Schuldgefühl des depressiven Menschen lässt sich einer solchen nachvollziehbaren Tat in aller Regel nicht zuordnen. Vielmehr fühlt sich der depressive Mensch für Geschehen schuldig, die normaler Weise in jedem Außenstehenden die Aussage bewirken: „Aber da kannst Du doch gar nichts für.“ Die Schuld ist jedoch mit logischen Argumenten dem Depressiven keineswegs ausredbar. Denn das würde bedeuten, den Wächter von der Tür zu entfernen. Das wiederum hätte zur Folge, dass das böse „Tier“ der Aggression, der Zerstörung, der Vergeltung, der Trauer ausbrechen würde. Die Seele hat nun einmal nicht mehr Gefühle zur Verfügung, die eine Barriere, einen Schutz bilden können als eben Angst, Scham, Schuld und Ekel. Im Falle des depressiven Grundkonfliktes werden diese Gefühle zur zunächst natürlich unvollkommenen Bewältigung des schweren lebensbedrohenden Konfliktes eingesetzt.

Wenn wir noch einmal bei dem Bild der Zerstörungswut und der Trauer als in einem Verlies eingesperrten Tier bleiben, so muss man sich bewusst machen, dass es im wissenschaftlichen Sinne hierbei nicht um Gut oder Böse geht. Vielmehr handelt es sich um die im Leben des Patienten nicht mehr bewusst zugängliche Lebensenergie. Wut oder Zorn sind genauso ungehemmter Ausdruck von Lebenskraft, wie andererseits Trauer der emotionale Zustand ist, den Menschen unabdingbar brauchen, um sich trennen zu können, was gleichbedeutend ist mit der Fähigkeit zur Entscheidungskraft.

Die Fähigkeiten eines Menschen zum Lernen hängen neben strukturellen genetisch determinierten Voraussetzungen und der Förderung, die geistigen Fähigkeiten auszubauen, vor allem von der emotionalen Verfassung des Menschen ab. Ein Mensch der sich aufgrund ungünstiger äußerer Einwirkungen in einem emotional gespannten, unfriedlichen Zustand befindet, kann seine geistigen Ressourcen nicht zum Neulernen benutzen, da sie für die Aufrechterhaltung einer, aus der Sicht des Betroffenen, lebensnotwendigen emotionalen Stabilität verbraucht werden.

Das Bild des eingesperrten wilden Tieres ist nur bedingt richtig, weil dieses Tier in Wahrheit in der Tiefe der Seele Unruhe stiftet, sich befreien möchte, nach Erlösung sucht. Dies führt einerseits zu einem innerseelischen Energieverbrauch, da das Gefängnis quasi durch die Schutzgefühle bewacht werden muss, was seelische Energie verschlingt (Selbstbeherrschung). Andererseits führt dieser Zustand zur Unfähigkeit des betroffenen Menschen, die gleichsam eingesperrte Lebensenergie, psychische Energie verwenden zu können.

Es entsteht also der Zustand einer Blockierung, einer Behinderung. Dieser Zustand kann subjektiv bis zur Lähmung gehen. Zusätzlich werden psychische Ressourcen dafür verbraucht, in der Beziehung zu Anderen trotzdem das Bild eines Menschen abzugeben, der dazugehören darf. Für uns Menschen besteht nämlich auch ein festgelegtes Altprogramm darin, sozial eingebunden zu sein (niemand ist eine Insel). Wie auch bei anderen seelischen Belastungen und daraus resultierenden Störungen entwickelt der depressive Mensch daher unterschiedliche Bewältigungsmuster. Die hängen von seiner Konstitution und den Lebenszeiten ab, in denen der depressive Grundkonflikt entstand und wie stark er auf ihn einwirkte. Gerade bei der so genannten Schulddepression lösen die Menschen den Konflikt zwischen dem Wunsch nach Autonomie und Selbstbestimmung (also im Bild: Der Freilassung des wilden, zerstörerischen Tieres) einerseits und dem Wunsch nach sozialer Anerkennung, nach Dazugehören und Verbindlichkeit andererseits (dem Sicherheitsprogramm) dadurch, dass sie in ganz besonderer Weise liebenswert und verbindlich werden (Abwehrmodus der Reaktionsbildung).

Dies kommt häufig dann auch in besonderer Weise gegenüber den Personen, also z.B. der Mutter oder dem Vater zum Tragen, die eigentlich die Verursacher des depressiven Grundkonfliktes sind. In dieser Überverbindlichkeit, dieser übermäßigen Anpassung ist die Aggression verborgen, was wir Menschen im Zusammenhang mit solchen Leuten häufig gut nachspüren können. Wir fühlen die Unechtheit, wir werden häufig auch betroffen von der gerade aus dieser besonderen Liebenswürdigkeit erwachsenen Aggression. Ich nenne als Beispiel den Menschen, der sich selbst immer in besonderer Weise zurückstellt und dadurch häufig soziale Entscheidungen eher erschwert. Besonders, wenn der depressive Konflikt in sehr frühen Zeiten des Lebens bereits angelegt wurde, kommt es zur so genannten autoaggressiven Wendung. Das bedeutet, dass die aus dem depressiven Grundkonflikt hervorgegangenen zerstörerischen Impulse sich gegen den Menschen selbst richten. Sie machen sich in Form von körperlichen Beschwerden, funktionellen Störungen der Organe oder auch hypochondrischen Beschwerden, also großen Ängsten um das körperliche Wohlergehen, bemerkbar. Auch in diesem Verhalten findet die Aggression, die auf Zerstörung angelegte Energie, einen „erlaubten Ausweg“ aus dem Gefängnis, indem Leiden und Kranksein entstehen. Diese stellen in ihrem Ergebnis letztlich auch für alle in der unmittelbaren Umgebung des Betroffenen eine Belastung dar, die jedoch hingenommen werden muss. Kranksein und Leiden gehört nämlich zu den Ausdrucksformen des Menschseins, die nicht verurteilbar sind (jedenfalls in unserer humanistischen Gesellschaft).

Ein weiteres Bewältigungsmuster, besonders der Schulddepression, besteht in einem dem depressiven Menschen fast immer innewohnenden Hang zu Selbstbeschuldigung und Selbstvorwürfen. Auch hierfür können sie gleichsam nicht bestraft werden, kann ihnen nicht die Zuneigung der anderen Menschen entzogen werden. Schließlich belasten sie in diesem Verhalten zunächst einmal nur sich selbst, wenn auch die anderen Menschen – Eltern, Kinder, Ehepartner, Freunde – ein solches Verhalten meist als „nervend“ empfinden. Darin wiederum drückt sich wieder die in der Selbstbeschuldigung verborgene, eingesperrte Aggressivität aus.

Ein anderer Verarbeitungsmechanismus, wie wir ihn besonders bei der Schulddepression antreffen, ist die so genannte Introjektion. Auch sie bildet sich in einem bestimmten, relativ frühen Stadium der Selbstwerdung aus. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass eine vollkommene Identifikation, eine Nichtablösung von der den depressiven Konflikt ehemals ausgelösten Person besteht. Ist dies z.B. die Mutter, so ist sie im Bewusstsein und Ausdruck des betroffenen Depressiven grundsätzlich ein guter, nicht kritisierbarer und nicht angreifbarer Mensch. Auch bei diesem Verarbeitungsweg spüren wir Außenstehende bei solchen Menschen die verborgene Aggressivität, da es uns „nervt“, bzw. wir uns „lustig machen“, (eigene Abwehr), wenn solche Menschen in unangemessener Weise von z.B. ihren wundervollen Müttern sprechen.

Etwas andere Verarbeitungswege finden wir bei der so genannten Abhängigkeitsdepression. Diese Betroffenen erscheinen uns als anklammernd, vorwurfsvoll fordernd, worin jedenfalls eine Aggressivität verborgen ist, da wir selbst in das innere Szenario des depressiven Menschen hineingezogen werden. Der Depressive macht uns mit seinem Anklammern, seinem dauernden Fordern, seiner Vorwurfshaltung, seinem Pessimismus hilflos und steckt uns mit seinem Zustand an.

Manchmal versteckt sich die depressiv gebundene Aggressivität hinter einem übermäßígen Genussmenschen, der sich selbst durch seinen Lebenswandel krank macht. Er löst Aggressionen bei denen aus, die dieses mit ansehen müssen und dem nichts entgegen setzen können.

Auch die Entwicklung eines Helfersyndroms kann als Bewältigungsmuster, besonders bei der Abhängigkeitsdepression, im Vordergrund stehen. Es handelt sich um Menschen, die sich selbst bis zur Erschöpfung für andere Menschen aufopfern. Wieder benutzt die Seele bei diesem Verarbeitungsmuster den Weg, nicht erlaubte Aggressionen in ein erlaubtes soziales Verhalten einfließen zu lassen, wodurch der depressive Mensch gleichsam vor Strafe und Abweisung geschützt wird. Der Preis ist jedoch für ihn selbst wieder Selbstbeschädigung und für umgebende Menschen die Wahrnehmung von Ärgergefühlen, weil es ihnen unmöglich ist, den im Helfersyndrom verstrickten Menschen von seinem Selbst und letztlich auch sozial zerstörerischen Handeln abzubringen.

Die verschiedenen Formen der Depression lassen sich generell durch die Szenerie eines Gewitterregens skizzieren. Erst nach Entladung durch Blitz und Donner ist nachfolgend der Regen (die Trauer) möglich und im Ergebnis der Zustand der Befreiung, des Friedens, der Erlösung. In wundervoller Weise hat dies Ludwig van Beethoven, selbst ein von schwerer Depression lebenslang betroffener Mensch, in seiner 6. Sinfonie, der Pastoralen, musikalisch umgesetzt.

Abschließend lässt sich also zum Entstehen, zur seelischen Not, zur Kompensation und zur weiteren Verarbeitung der depressiven Störung folgendes sagen: Ursächlich ist, dass der betroffene Mensch als Kind, als Jugendlicher und dann später im Leben in verstärkender Weise der ungelösten Konfliktlage von Menschen ausgesetzt ist, von denen er zur Existenzsicherung als Kind unabdingbar abhängig war. Später im Leben hat sich ein Zustand inszeniert, wo der Patient die Abhängigkeit von entsprechenden Menschen (z.B. Vorgesetzten oder Ehepartnern) als ebenfalls existenziell unabdingbar notwendig empfindet. Aus diesem Ausgesetztsein entsteht ein unlösbarer Konflikt zwischen lebensnotwendigem Selbstentwicklungsprogramm einerseits und lebensnotwendigem Versorgungs- und Sicherheitsprogramm andererseits. Wir haben also einen Konflikt zwischen Wollen und Wünschen einerseits und Müssen andererseits. Die aus diesem Konflikt resultierende Mobilisierung des „Kampfprogramms“ und die damit zusammenhängende vergeltungsaggressive Wut muss zur Lebenserhaltung unbewusst gemacht werden und auf unvollkommene Weise andererseits kontrolliert werden. Im Modell, das von Sigmund Freud entwickelt wurde, kommt es zu einer Überforderung der Ich-Instanzen, die einen Weg finden müssen, um zwischen den aus der Tiefe kommenden zerstörerischen Impulsen und den vom Über-Ich kommenden Forderungen nach Friedlichkeit und sozialer Verbindlichkeit vermitteln zu können. In diesem Modell besteht dann die Kompensation in der Entwicklung eines überhöhten Ich-Ideal, welches den betroffenen Menschen irgendwann in das depressive Unglück zurück stürzen lässt, bzw. für außen stehende Menschen in der Wirkung des Patienten aggressionsauslösend (durch Übertragung) ist.

Der depressive Mensch steht vor der für ihn subjektiv so empfundenen unlösbaren Aufgabe, wie er soziale Verbindlichkeit, Liebessicherheit erlangen kann, wo er doch in seiner Kindheit erfahren hat, dass der geliebte Mensch überfordernd, einschränkend, erniedrigend oder vernachlässigend war. Der jedem Menschen innewohnende Wunsch nach Zerstörung einerseits und nach Bindung andererseits ist im depressiven Menschen übermäßig aufgeladen und zu einer unheilvollen Mischung zusammen legiert. Vereinfacht: Liebe ist immer gleichzeitig mit Wut und Hass verbunden.

Hier wird von mir oder von fremden Autoren Geschriebenes veröffentlicht, das den gesamten Menschen in seinem humanistischen und religiösen Bereich berührt.

Körper, Geist & Seele im Einklang

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