Burnout

Burnout

Ein durch das Arbeitsumfeld ausgelöster Zustand: Anstrengung, Engagement und Arbeitsidealismus bleiben ohne angemessene Gratifikation. Am Ende steht Desillusionierung, Apathie, Zynismus und dann psychosomatische Erkrankungen, Angstzustände, Panikattacken, Depressionen und Sucht. Im schlimmsten Fall weitet sich Burn-out zerstörerisch auf das gesamte Leben aus: Ehe, Familie, Freunde und Freizeit.

Burn-out ist keine Modekrankheit. Burn-out ist Ausdruck des Zeitgeistes, ein Zustand, der sich seuchenartig in den Industriestaaten ausgebreitet hat. Panikattacken, Erschöpfungsdepression und psychosomatische Leiden sind schwere Störungen, die der sofortigen Hilfe bedürfen. Schon lange bevor Burn-out zum medialen Begriff wurde, habe ich mich mit diesem Syndrom beschäftigt und Konzepte für Ursachen und Therapie entwickelt.

Informationelles

Hier können Sie von mir selbst Geschriebenes lesen. Zum eigenen Wiederfinden und besseren Verstehen.

Müssen

Es gibt das gute MÜSSEN. Wir MÜSSEN atmen, wir MÜSSEN essen, wir MÜSSEN schlafen. Dieses MÜSSEN ist für uns Menschen leicht anzunehmen, denn wir erhalten eine sofortige Gratifikation, Belohnung. Auch die Zwänge – das MÜSSEN, welches uns die Kräfte der Natur diktieren – können wir hier vernachlässigen. Sie sind manchmal schwer erträglich, aber sie beschädigen nicht unsere Seele.

Entscheidender für uns ist das MÜSSEN, welches uns andere Menschen auferlegen oder was unser Ich uns auferlegt: „Du MUSST es schaffen. Du MUSST das endlich mal fertig machen. Du MUSST etwas leisten.“ Achten Sie mal darauf, wie oft Sie am Tage gegenüber sich selbst und anderen das Wort MÜSSEN benutzen!

MÜSSEN bedeutet Zwang. Zwang ist Strafe. Wer wird schon gern gezwungen? Wer möchte, dass man ihm die Daumenschraube anlegt – dass man mit Bedrohung, Angstmacherei und Liebesentzug Druck ausübt? Warum tun wir Menschen uns und anderen das an? Wäre es nicht eine schöne Vorstellung, ohne Druck und Zwang leben zu können?

Zwang, Druck üben wir aus, wenn Not da ist oder Not befürchtet wird. Stellen Sie sich vor, Sie sind in einsamer Gegend eingeschneit, es gibt keine Verbindung zur Außenwelt. Sie MÜSSEN durchhalten, Sie MÜSSEN es schaffen, sonst droht Tod. MÜSSEN heißt dann: Richte alle Deine Kräfte nur auf die Bewältigung einer einzigen Aufgabe!

Diese Fähigkeit zur willentlichen Konzentration ist eine Leistung unseres Ichs. Sie funktioniert dann, wenn gleichzeitig die Erkenntnis da ist, dass zwischen erzwungener Anstrengung und dem erhofften Ergebnis – hier die Rettung – ein Zusammenhang erkennbar ist, dass also der Erfolg absehbar ist. In diesem Fall erleben wir große Erleichterung, Freude und Glück. Anders verhält es sich jedoch, wenn der Vater dem Kind sagt: „Du MUSST Deine Schularbeiten machen, Du MUSST Dich endlich mehr zusammenreißen.“ Wenn der Chef sagt: „Sie MÜSSEN besser arbeiten.“ Der Zwang wird von oben nach unten ausgerichtet, vom Stärkeren zum Schwächeren. Normalerweise geht der schwächere Mensch davon aus, dass der Stärkere es gut mit ihm meint, denn so erlebt er es im besten Fall in seiner Kindheit, in den Zeiten der vollkommenen Abhängigkeit und Hilflosigkeit. Nun wird von diesen Stärkeren Zwang ausgeübt, ein MÜSSEN, das nicht annehmbar ist, weil es nicht verstehbar ist, nicht nachvollziehbar, nicht nachfühlbar. Es ist ein tyrannisches MÜSSEN. Tyrannen sind Menschen, die ihre Macht und Stärke gegen die eigenen Schutzbefohlenen richten. Anstrengen kann ich mich nur, wenn ich die Fähigkeiten zur Bewältigung habe und wenn ich die Gratifikation erkennen kann.

Aber wer möchte sich schon anstrengen, nur um nicht bestraft zu werden. Wer kann sich anstrengen, wenn er gar nicht weiß, auf welche Weise er es tun soll? Das tyrannische MÜSSEN hat nur etwas zu tun mit den Ängsten desjenigen, der den Zwang ausübt. Die Angst ist unangemessen hoch und gute Bewältigungsmuster für die vermeintliche Not fehlen. Der Vater, der vielleicht selbst in seiner Kindheit schwere Belastungen, Not und Demütigungen ertragen MUSSTE, ist voll Angst, dass ihm oder seinen Kindern solches wieder geschehen könnte. Der Chef, der seine Untergebenen mit MÜSSEN traktiert, hat vielleicht große Angst um seinen Betrieb, hat nicht die Befähigungen entwickeln können, mit bedrängenden Situationen umgehen zu können. Der Lehrer, der von den Schülern Disziplin einfordert für die Erledigung von Aufgaben, für die Schüler keinerlei Motivation sehen, da sie den Erfolg nicht erkennen können, ist voll ärgerlicher Hilflosigkeit. Auch er wird sich erinnern können, dass es in Kindheit und Jugend nicht gut vorgelebt wurde, in schwierigen und bedrängenden Lebenssituationen Ruhe, Gelassenheit und inneren Frieden zu bewahren.

Gegen jeden tyrannischen Zwang, jedes MÜSSEN, dessen Sinnhaftigkeit nicht nachvollziehbar ist, wehrt sich die Seele. Es behindert die freie Entwicklung, die alleine durch selbständiges Probieren und Versuchen gelingt. Hierzu brauchen wir Menschen einen Rahmen, der uns in angemessener Weise, passend zum Alter Halt und Schutz gibt. Dieser Rahmen darf nicht zu sehr einengen oder pressen und er darf auch nicht uns zu sehr verlieren lassen. Freie Entwicklungsmöglichkeit hin zu den Fähigkeiten, die uns mitgegeben sind, erzeugt Freude, Glück und Zufriedenheit. Tyrannischer Zwang erzeugt eine Aufstauung von Lebenskraft, wir nennen es Wut, Ärger, Zorn, Hass. Diese Gefühle bleiben in uns und erzeugen wiederum Zerstörung – in uns selbst, in der Seele oder dem Körper oder gegen andere in unseren Beziehungsleben: „Ich MUSS es schaffen“. Das arme Ich! Nur aus Angst MUSS es schaffen, ohne wirklich den Erfolg, die Gratifikation erkennen zu können. Lange Zeit halten wir durch, bis immer deutlicher wird, dass wir für alle unsere Anstrengungen gar keine Gratifikation erhalten. Alles Mühen und Rackern umsonst! Dann sagt die eine Stimme in uns, die Stimme des Ichs: „Du MUSST weiter machen, Du MUSST durchhalten!“ Die andere Stimme aus der Tiefe, die Stimme des Kindes in uns sagt: „Ich möchte das nicht mehr, ich möchte mich endlich ausruhen, ich möchte genießen, ich möchte machen, was mir Spaß macht!“ Dann sind beide Kräfte gleich stark, nichts ist mehr möglich, die Depression ist da.

Der Weg nach vorn, der Weg zu Befreiung und Loslösung ist klar: Den Ursprung des tyrannischen MÜSSENS erkennen und verstehen. Die alte, oft „vererbte“, von den Vorfahren übergebene, übermäßige Angst verlassen und durch neue Einsicht und Erfahrung zu neuem den Lebensumständen angemessenem Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten finden. Auch das Gehen haben wir Menschen ohne Zwang gelernt. Es war am Anfang anstrengend, aber am Ende war das Ergebnis schön. Wir konnten gehen. Nicht anders ist es eigentlich mit allem, was das Leben von uns will.

Schöne neue Arbeitswelt?

Ich hatte Spass am Job. Hab gutes Geld verdient, war weiter gekommen, alles schien prima – auch mit einem nur befristeten Vertrag. Als er auslief dachte ich: „Bei dem großen Unternehmen mit meinem guten Standing finde ich problemlos Neues.“ Es fand sich nichts!

Erst war ich irritiert, dann nahmen Frust und Wut zu: Es war gar nicht der Wunsch des Unternehmens, mich weiter zu beschäftigen. Herausgedrängelt sollte ich werden, mit allen Tricks. Die Leute werden schon nicht aufbegehren, die Situation klaglos hinnehmen! Mobbing folgte, inakzeptable Stellenvorschläge, weit weg von der Familie und uninteressante, für mich ungeeignete Tätigkeiten.

Ich versuchte, auf die vielen Ausschreibungen einen neuen Job im Großunternehmen zu finden. Aussichtslos, trotz guter Kenntnisse, guter Zeugnisse. Unverständlich! Manipuliert? Es rührt sich nichts, keiner meldet sich. Das ist schrill, als ob ich tot bin.

Noch läuft das Gehalt weiter. Dennoch hat die Situation mich bereits geschafft. Jetzt bin ich depressiv. Ich mag nicht mehr, komme nicht gegenan.

Ein verlogenes Spiel

Die wollen Arbeitsplätze abbauen, koste es was es wolle, mit allen Methoden, auch wenn sie Gerichtsprozesse durch alle Instanzen verlieren. Und dann: Weihnachtsgeld musste doch weiter gezahlt werden. Doch es wird nicht. Wer keinen Widerspruch einlegt, bekommt kein Geld. Viele haben das wohl vergessen. Also geht das Unternehmen letztlich doch mit Gewinn heraus.

Warum nicht so: Mir einfach einen neuen Job anbieten, statt mich gar nicht zu beschäftigen. Ich bin doch engagiert, fachlich gut. Nie krank gewesen, hab alles was ich gemacht habe, gut gemacht.

Schluss mit dem verlogenen Spiel! Der Versuch mich rauszukicken und letztlich den Steuerzahler mit bezahlen zu lassen, so denkt Ihr Euch das!

Aber für das Unternehmen geht die Rechnung am Ende auf. 40.000 Leute raus! Teilweise Schein-Outsourcing. Outsourcing! Hört sich gut an. Auffanggesellschaft. Oh wie schön! Ist nur der Vorhof zum Tritt in den Arsch.

Wie viel Unruhe schafft ein solches großes Unternehmen in unserem Land? Wie viel Kosten werden mal eben dem Steuerzahler aufgebrummt?

Ach, das ist denen doch ziemlich egal. Hauptsache der Profit stimmt.

Ich weiß jetzt, was ich bin. Kein Mitarbeiter. Nur eine Kostenstelle, sonst nichts.

Woanders komme ich nicht unter, das Unternehmen will mich nicht. Jetzt habe ich beschlossen: Ich richte mich ein im bezahlten Nichtstun und wenn sie Ärger machen, dann eben Anwalt! Die einzige Sprache, die die verstehen. Unternehmensführung gegen Mitarbeiter, was für ein Scheissspiel!

Mich kriegt Ihr nicht klein.

Wissenschaftliches

Hier finden Sie den Abdruck fremder Schriften oder von mir bearbeitete wissenschaftliche Veröffentlichungen. Sie sollen Ihnen zur diagnostischen und therapeutischen Orientierung dienen.

Burnout - Wissenschaftliches

Was genau versteht man unter Burn-out?

Der Begriff ist auf den Arbeitsplatz bezogen: Emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung („Zynismus“) und persönlich eingeschätzte Leistungsminderung sind die drei Haupt-Dimensionen.

Woran erkennt der Betroffene sein „Burn-out“?

Körperliche Ermüdung, fortwährende Erschöpfung, körperliche Stress-Beschwerden, geistiges Nachlassen, verlangsamtes Denken, Verlust von geistiger Beweglichkeit, Leistungsminderung. Zusätzlich vermehrt interpersonelle Probleme durch Aggressivität oder Depressivität, Distanzierung. Zuletzt Verzweiflung.

Woher stammt der Begriff Burn-out?

Aus der Arbeitspsychologie. Er ist dementsprechend keine anerkannt medizinische Diagnose, sondern ein „Problem, verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung.“

Wie ist der Begriff krankheitsmäßig einzuordnen?

Aus der Burn-out-Situation entwickeln sich psychische Erkrankungen: Angststörungen, Panikattacken, Erschöpfungsdepression, Suchterkrankungen, chronische Erschöpfungssyndrome (chronic-fatigue-syndrom). Auch die arbeitsassoziierte Neurastemie und sogenannte Somatoforme (Psychosomatische) Erkrankungen wie z.B. die Fibromyalgie oder funktionell vegetative Störungen sind Folge von Burn-out.

Wodurch entsteht Burn-out?

Die auslaugende Arbeitsplatzsituation und persönliche Faktoren vermischen sich zu einer krankmachenden giftigen Brühe.

A. Was macht die Menschen in der Arbeit fertig?

Wo einstmals Gemeinsinn, vielleicht sogar so etwas wie Familie war, ist heute ein Kampfplatz. Nicht der Mensch mit allem, was er mitbringt zählt, sondern nur der entemotionalisierte Funktionsträger. Jeder muss sehen, wo er bleibt! Um das Beutestück herum sitzen die CEOs und Anteilseigner und reißen sich die großen Stücke heraus. Geld, Profit und Finanzierungsfragen dominieren. Gegeneinander und übereinander statt miteinander. Die Glücksformel von Anstrengung einerseits und angemessener Gratifikation andererseits ist ausgehebelt.

B. Welche individuellen Faktoren sind mit begünstigend?

  1. Einseitige Sozialisierung in die Richtung: „Du bist nur dann ein guter Mensch, wenn Du gute Leistungen erbringst.“
  2. Mangelnder Selbstschutz und Selbstbehauptungsfähigkeiten (richtig wäre: „Zuerst bist Du für Dich verantwortlich, für deine Entwicklung als einmaliges Kunstwerk in Deinem einmaligen kurzen Dasein auf dieser Erde.“)
  3. Innerseelische Unaufgeräumtheiten (Neurotisierungen), die einen gelassenen Umgang mit interpersonellen Konflikten und Arbeitsherausforderungen behindern: Falsche Ängste, falsche Schuldgefühle, falsche Scham.
  4. Kommunikationsdefizite, insbesondere im Umgang mit „schwierigen“ Menschen. Zuwenig gelernte kommunikative Konsens-Strategien. Stattdessen oftmals Verharren im System von Dominanz und Unterwerfung oder „Gerichtskommunikation“.
  5. Ungünstige Einschätzung der objektiven Selbst- und Ich-Kompetenz: „Aus einem Rennpferd darf man keinen Ackergaul machen“. Jeder Mensch hat sein einmaliges Begabungsprofil, seine Berufung.

C. Was sind die Gründe für die weltweite Burn-out-Epidemie?

Das Kapital kann ungehemmt weltweit frei fließen, Arbeit dagegen ist bestenfalls national geschützt. Die Globalisierung hat Staaten und Gewerkschaften gegenüber dem Kapital geschwächt. Es gibt mehr Arbeitssuchende als Angebote an menschenwürdiger gerecht entlohnter Arbeit. Das Gesetz von Angebot und Nachfrage schwächte die Position der Arbeitssuchenden. Geld ist gespeicherte menschliche Energie, entstanden einerseits durch den Fleiß von Menschen und andererseits von mutigen Entscheidungen. Geld ist also eine Funktion von Arbeit und Risiko. Dieses Gleichgewicht von Arbeit und Risiko wurde verändert. Die Geldflüsse strömten weg von der Arbeit hin zu den Finanzverwaltern (Risiko). Aber: Zu viel ist genauso schlimm wie zu wenig! Geld, der Dünger für die Äcker dieser Welt, wurde dort hingeworfen, wo alles schon überdüngt war (Stichwort: amerikanische Immobilienblase). Geld – gespeicherte menschliche Lebensenergie – wurde vernichtet. Die westlichen Industriestaaten verschuldeten sich mit Beginn der Globalisierung ab 1990 Jahr für Jahr überdimensional, um so der weltweit überschwappenden Armut und ihren sozialen und gewalttätigen (terroristischen) Auswirkungen Herr zu werden. Die alte Bundesrepublik Deutschland hatte 1988 einen nahezu ausgeglichenen Haushalt. Von 1990 bis 2007 erhöhten sich die Staatsschulden um durchschnittlich 100 Milliarden Euro pro Jahr! Jetzt benötigte die Finanzwelt wegen der Geld-Vernichtung und die Staaten wegen der Schuldenmacherei weiterhin billiges Geld. Die Notenbanken (Stichwort: Greenspan) stellten dieses zur Verfügung. Noch mehr Geld floss weiterhin in den Risikobereich, noch größere Blasen bildeten sich. Dabei wurde und wird das gesparte weltweite Kapital (Altersvorsorge, Lebensversicherungen etc.) entwertet. Weiterhin werden die Geldäcker dieser Welt für den schnellen Gewinn überdüngt, nach dem Motto: „Rette sich wer kann“ (Geld wird verbrannt). Für langfristige, nachhaltige Geldanlagen fehlt die Kraft. Da ist kein Wille und kein Interesse mehr, kleine Pflänzchen geduldig groß zu ziehen. Das für sozialen Ausgleich (Weimar im Rückspiegel) für Kriege (Irak) und in Spekulationsblasen verlorene Geld kann nur auf vier Weisen schnell „wieder beschafft“ werden:

  1. Durch Kriege, besonders Wirtschaftskriege
  2. Indem die Gelddruckmaschine angeworfen wird
  3. Direkt aus der Wertschöpfung, also von allen Leistungsträgern und Geldempfängern.
  4. Dadurch, dass die Staaten sich an Geldgeber verkaufen (Stichwort: China, Erdöl fördernde Staaten)

Der zweite und dritte Punkt treffen die Arbeitenden, die Leistungsträger. Auf der einen Seite immer mehr Steuern und Abgaben, auf der anderen Seite Erhöhung der Produktivität jedes Einzelnen bis in die Krankheit: Burn-out (Arbeit wird verbrannt). Woher kommt Rettung? Kollektiv dadurch, dass Arbeit und Risiko wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Individuell dadurch, dass jeder Betroffene für sich aus sich selbst heraus die für ihn allein richtigen Entscheidungen fällt! Nicht mehr willenlos mitmachen! („Ich entscheide!“) Wie kann dem, der im Burn-out-Umfeld steckt, geholfen werden?

Strategie 1: Das Arbeitsumfeld verändern!

Ein Prozess, der zwar mühselig ist, aber im Ergebnis sehr oft erfolgreich. Bei diesem Vorgehen wird die Verantwortung für Fehlorganisationen, Führungsschwäche und übermäßigen Aufbau von Arbeitsdruck „nach oben zurückgeschoben“.

  1. Die Fakten (das, was zusammen nicht geht) sammeln, registrieren, aufschreiben. Fakten sind Fakten!
  2. Mit wenigen Verbündeten einen Entscheidungs- und Handlungskern bilden („Nuklearenergie“).
  3. Mitstreiter sammeln, Allianzen bilden.
  4. Die Fakten nach oben tragen und deutlich machen: „So wie jetzt geht es nicht weiter! Die Zitrone lässt sich nicht weiter ausquetschen. Es gibt bessere Wege.“
  5. Konkrete Verbesserungsvorschläge machen. Der Weg heißt: Von der entmenschlichten Einzel-Funktionalisierung zur Leistungsgemeinde.

Strategie 2: Ich-Stärkung und Selbst-Ausbau.

  1. Analyse: Die sich aus der eigenen Biografie ergebenden Lebensbewältigungsmuster erkennen. Einseitige und ungünstige Prägungen identifizieren, die kompensatorisch aus schwierigen Kindheits- und Jugendzeit- Konstellationen herrühen. („Ich musste, wie ich es nicht wollte“).
  2. Verhaltensänderung: Die alten Muster umformen, übermalen, neu gestalten. Gesunden Selbstschutz und Selbstbehauptung stärken. Eine neue Balance zwischen Selbstwünschen und dem, was Andere verlangen und erwarten herstellen.
  3. Kommunikation: Konkrete kommunikative Fertigkeiten einüben, um insbesondere mit „schwierigen“ Mitarbeitern und Vorgesetzten besser umgehen zu können. Das interpersonelle Verhalten verbessern (Schweigen, Hören, Fragen, Reden, alles zu seiner Zeit!).

Strategie 3: Weggehen!

Dorthin gehen, wo die individuelle Eignung sich bestmöglich entfalten kann. Wo freundliche Aufnahme und faires Mit-Unter-und Übereinander das gemeinsame Arbeiten bestimmen. Wo jede Anstrengung angemessen gewürdigt wird. Wo die Zukunft offen ist und Entwicklung möglich wird. Aus drei Gründen ist dieser Schritt oft schwer zu tun:

  1. Sicherheitsdenken dominiert über freiheitliches Entwicklungsdenken. (In Sicherheit wachsen, aber wie?).
  2. Der Umbruch wird zu schwer („Das schaffe ich nicht, dazu fehlt mir Mut und Kraft“).
  3. Geliebte Menschen, die Familie, ziehen nicht mit. Weggehen kann oft die richtige Entscheidung sein, muss aber sehr wohl bedacht sein.
    So einfach ist das alles nicht.

Wie wird Burn-out speziell therapiert?

Wenn die Symptome der Angsterkrankung oder von Panikattacken, Erschöpfungsdepression und psychosomatischen Beschwerden eingetreten sind, erfolgt die Heilung in drei Schritten:

  1. Sofortige Entlastung (Raus aus dem Stressoren-Kampfplatz) und Unterstützung. Dieses am Anfang vor allem mit guten Medikamenten.
  2. Ursachenforschung (Analyse): In welchem Übel stecke ich eigentlich drin, wie konnte ich da hinein geraten?
  3. Umbruch. Wie komme ich da wieder heraus?
  4. Neubeginn. Neue Standpunkte und neue innere und äußere Wege finden.
  5. Aufbruch. Innere und äußere Befreiung. Hierzu ist es unabdinglich, die Beziehung von innerseelischen Begebenheiten und Einwirkungen von außen, vom Schicksal, zu einem neuen, guten Miteinander zu bringen. Hinzu kommen bewährte psychotherapeutische Techniken, die in der Behandlung von Angsterkrankungen, Erschöpfungsdepressionen und psychosomatischen Leiden erfolgreich sind.

Hier wird von mir oder von fremden Autoren Geschriebenes veröffentlicht, das den gesamten Menschen in seinem humanistischen und religiösen Bereich berührt.

Fix und fertig kann man auf vielen Feldern werden. Fußball-Trainer können versagen, die Lehrerin rettet sich gerade noch in die Ferien, dem Arzt geht die Spannkraft verloren. Dem Paar kommt die Liebe abhanden. Manager fühlen sich leer. Nach jedem Tagwerk sinkt man in die Kissen. Nach 16 Stunden braucht der Mensch Schlaf.

Unsere Kräfte sind begrenzt. Täglich werden wir müde. Aber es gibt eine tiefe Erschöpfung, ein Ausgebrannt sein, als innen nur noch Asche. Das kann an langer Auszehrung liegen. Immer hat man mehr gegeben, als man wieder bekam; musste gute Miene machen, den properen Kerl geben, die unermüdbare Frau. Meist wollte man seine Grenzen selbst nicht wahrnehmen., wollte ja auch nicht enttäuschen. Versuchte es mit Fitmachern und Überspielen. Auf einmal ist Schluss, alle Ampeln zeigen auf Rot, man kann nicht mehr. Dann muss man sich aus dem Verkehr ziehen. Muss klein beigeben, muss einsehen, dass es ohne einen weiter geht. – erst einmal oder überhaupt. Es ist dies ein großer Lernstoff: Jeder ist nur zuständig im Rahmen seine Kräfte. Auch selbst habe nur begrenzte Fähigkeiten, bin kein Überflieger. Sollte ich mit einer Gabe glänzen, sind Defizite die Kehrseite.

Überforderungen kündigen sich an: Nervosität, Fehler, nicht gut ausgleichen können, laut werden oder sehr still, auch Sprachfehler, vielleicht Müdigkeit. Der Partner spürt das früh. Ein Freund könnte gebeten werden, ehrlich seine Wahrnehmung zu sagen, der Hausarzt weiß viel. Ein Körper-Seelen-Check könnte wunder wirken. Eine fachkundige Weiterbildung und ab sofort regelmäßige Supervision würden die Pleite abwenden.

Du kannst noch zielorientierter werden. Ehrkäserei hinten anstellen. Du kannst die Arbeit zu Ende bringen. Zeit vor allem auch der Mitarbeiter schonen. Ist man in Beruf oder familiärer Lage überfordert, kläre: Habe ich mir zu viel aufgeladen? Muss ich hinschmeißen, oder ist Entlastung und Umlagerei möglich? Dieses klare Entweder-Oder ist schon der Anfang von Rettung: Entweder ich kann anders mit den Lasten umgehen oder ich muss kündigen, flüchten, mich scheiden lassen, ausziehen.

Ich muss wissen: heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens. Jetzt ändere ich mich, Jetzt traue ich mich, mein Erschöpft sein offen zu legen. Ich gestehe ein, das Quantum nicht mehr zu schaffen. Ja, ich bekomme nicht mehr so viele Aufträge rein, die vielfältigen Aufgaben wachsen mir über den Kopf. Auch die Ansprüche der Familie, von mir selbst genährt, müssen sich bescheiden.

Die Rettung, wenn sie früh genug kommt, lautet: Bilanz ziehen. Dazu gehört auch auszuloten, oben man innen geschützt ist. Es gibt ein biblisches Gebet, in dem es heißt: „Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtete, bist du doch Gott allezeit meines Herzens Trost und mein teil.“ Dass wir Gottes Mitarbeiter sind, sollte uns stärken. Er lässt ausrichten: „Zersorg dich nicht für morgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage habe.“

Text von Traugott Giesen

Körper, Geist & Seele im Einklang

Kontaktmöglichkeiten Praxis Dr. med. Stephan in Wentorf

Adresse

Hauptstrasse 7a | 21465 Wentorf